Fortpflanzung als Ziel?

  • Hallöchen,


    nachdem meine Phyllocrania paradoxa letztens eine Oothek (unbefruchtet) gebastelt hat, hab ich mir da so meine Gedanken gemacht...


    Wie seht ihr das? Ist die Nachzucht ein Ziel der Mantidenhaltung? Ich weiß, dass viele Reptilienhalter bzw. Halter von vom Aussterben bedrohten Arten das schon fast als Pflicht sehen...
    Bzw. seht ihr es als "Schädlich"/Unnatürlich für das Weibchen keine befruchteten Ootheken zu legen?


    Ich bin mir immer wieder am überlegen ob ich noch ein Männchen (gerade zu der Phyllocrania paradoxa) dazu zu tun, groß genug wäre das Becken ja...
    Aber für mich stellt sich dann immer die Frage: Was tun mit dem Nachwuchs? Behalten kann man ja schlecht alle (selbst wenn nicht alle überleben)
    Und was wenn man sie nicht "los" wird?
    Für mich ist das eigentlich so ein Grund, weshalb ich da immer wieder davor zurück schreck...


    Auf der anderen Seite denk ich dann, dass es für das Tier doch sicher eine untypische Sache ist ewig Eier mit sich herumzuschleppen und auf ein Männchen zu warten, bis sie sie schließlich ablegen "muss"! Sicher auf dauer auch nicht so gut...
    (Kann es eigendlich bei Mantiden zu Legenot kommen?)


    Wie seht ihr das? Oder habt ihr von vornherein um diesem Thema auszuweichen ein Männchen geholt?


    Grüßle

    "Jetzt koch ich Mama"

    Satzzeichen können Leben retten

  • Hi, Phyllocrania paradoxa ist sicher nicht vom aussterben bedroht, für die Arterhaltung muss also nichts getan werden. Wenn man züchtet, fallen natürlich weitere Kosten für Behälter und Fruchtfliegen an, selbstredend braucht es auch mehr Platz, das ist für die meisten das Haubtproblem. Ob die Psyche der Tiere verkümmert weil sie dazu verdammt sind immer unbefruchtete Gelege abzulegen kann ich mir nicht vorstellen, eine Legenot aufgrund der unbefruchteten Eierpakete ist nicht gegeben. Der Nachwuchs kann angeboten werden, eventuell hast du noch andere Tiere die sich über kleine Häppchen freuen. Wenn du doch mal ausprobieren willst wie das so mit der Zucht ist, da ist paradoxa eine gute Wahl, die Zucht ist einfach und der Nachwuchs kann in genug großen Behältern bis adult zusammengehalten werden.
    Gruß edi

  • Auf der anderen Seite denk ich dann, dass es für das Tier doch sicher eine untypische Sache ist ewig Eier mit sich herumzuschleppen und auf ein Männchen zu warten, bis sie sie schließlich ablegen "muss"! Sicher auf dauer auch nicht so gut...
    (Kann es eigendlich bei Mantiden zu Legenot kommen?)


    Guten Abend Regina,


    zu Legenot kann es durch falsche Haltungsbedingungen kommen, das hat nicht damit zu tun, ob die Mädel begattet wurden, oder nicht. Solang die Weibchen leben, werden sie Eier produzieren und auch wieder ablegen, egal, ob mit oder ohne den männlichen Part. Nach meinen Beobachtungen legen begattete Weibchen sehr viel mehr Ootheken im Laufe ihres Lebens ab, als unverpaarte. Es ist ja auch natürlich, wenn man bedenkt, dass die Arterhaltung üblicher Weise der einzige (Selbst)Zweck des Lebens ist ... ;)



    Aber für mich stellt sich dann immer die Frage: Was tun mit dem Nachwuchs? Behalten kann man ja schlecht alle (selbst wenn nicht alle überleben)
    Und was wenn man sie nicht "los" wird? Für mich ist das eigentlich so ein Grund, weshalb ich da immer wieder davor zurück schreck...


    Phyllocrania paradoxa wäre nun eine Art, die Du nicht nur bis zum Adultstadium in Gemeinschaft halten könntest, sondern auch darüber hinaus. Keine Bange, das beträfe nur die Larven, die Du nicht an neue Liebhaber abgeben kannst. Und da es sich um eine sehr beliebte Art handelt, würde ich mir dazu keine Gedanken machen!


    Eine weitere Möglichkeit wäre, bereits die Ootheken anzubieten, denn die sind nicht so zappelig und lassen sich viel problemloser verpacken! Und wenn Du das nicht willst, könntest Du die Ootheken auch einfrieren.


    Wie seht ihr das? Oder habt ihr von vornherein um diesem Thema auszuweichen ein Männchen geholt?


    Nein, ich habe mir kein Männchen geholt, ich habe mit 7 Larven (L1) angefangen und war recht glücklich, dass es beide Geschlechter geworden sind! Ein Wesen kennen zu lernen, zu beobachten, wenigstens in Teilbereichen zu erfassen beinhaltet für mich den kompletten Zyklus.


    Ich denke, hier muss jeder nach seinem Empfinden glücklich werden.


    Ganz herzlich, Kornelia

    Unterstützende Mitarbeiterin im Sinne eines funktionierenden Forums ... ich danke für gute Zusammenarbeit ... ;)

  • Hi Filvy,
    das ist eine sehr interessante Frage, die du da gestellt hast.
    Was mich betrifft, finde ich es immer besser, wenn die Tiere einen kompletten Lebenszyklus erleben, d.h. dass man beide Geschlechter haelt und sie zur Paarung bringt. Was danach passiert, sprich mit den Ootheken und dem potentiellen Nachwuchs, ist abhaengig vom verfuegbaren Platz. Hat man genug, kann man die naechste Generation grossziehen und den Grossteil davon zum Verkauf anbieten, was fuer die Durchmischung des Genpools einer Art von nicht zu unterschaetzender Bedeutung ist. Als Futter wuerde ich Nymphen nicht anbieten, sondern die Verantwortung fuer sie uebernehmen, die man mit ihrem Schlupf erhalten hat. Steht kein Platz fuer den Nachwuchs zur Verfuegung, dann kann man die Ootheken verkaufen (irgendjemand freut sich bestimmt) oder einfrieren.
    Um nochmal auf den Lebenszyklus zu kommen: Die Haltung von Mantiden (oder generell die Haltung irgendeiner Art) soll ja so naturnah wie moeglich sein und dazu gehoert nunmal auch die Paarung. Mantiden sind zwar Einzelgaenger und sollten meistens auch separat gehalten werden, aber zu einem kompletten Leben gehoert irgendwann der Partner, und ich finde, das sind wir diesen wunderschoenen Tieren einfach schuldig.
    Also, wenn du die Chance hast, ein Maennchen zu bekommen, dann solltest du zuschlagen. Ist ausserdem auch fuer die eigene Erfahrung wichtig und interessant, einer Paarung beizuwohnen.
    Viel Glueck


    Stefan :)

  • So, nachdem ich heute nochmal mit einem Bekannten geredet habe, der selbst auch Mantiden hält, habe ich nun den Mut gefasst mir für mein Mädel einen Mann zu holen.
    Ich finde auch, dass generell ein Tier ein "komplettes" Leben haben sollte, trotzdem ist mein Katze kastriert, schlicht und einfach weil ich der Meinung bin, dass es schon genug Leute gibt, die Katzennachwuchs "produzieren", dann nicht wissen, was sie damit anfangen sollen und die Tiere dann im Tierheim abgeben!
    Das möchte ich keinem Tier, für das ich verantwortlich bin, antun!
    Ich finde eben, dass man immer schauen muss, was wäre wenn! Wäre ich theoretisch dazu in der Lage ALLE Tiere zu versorgen?
    Den theoretisch müsste man dann wieder weiter gehn und sagen, dass der Nachwuchs dann wieder das Recht auf Fortpflanzung hat und soweiter! In Gefangeschaft ist die Überlebensrate ja auch deutlich höher wie in der Natur und irgendwann wäre man dann wohl oder übel überschwemmt von diesen Tieren, wenn man keine Abnehmer hat.
    Allerdings meinte der Bekannte auch, dass sich für diese Art (Phyllocrania Paradoxa) immer Leute interessieren würden...
    Daher: ich probiere es jetzt einmal aus und im ernstfall kommen sie dann wieder in Einzelhaft ;)
    UND als Futter möchte ich auch nicht, dass meine Tiere enden... meine Mutter kam auf eine ähnliche Idee, weil wir zuhause noch ein Chamäleon haben (das dauernt hunger hat). Allerdings würde mir das absolut gegen den Strich gehen!!!


    Grüßle,
    Regina

    "Jetzt koch ich Mama"

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  • Hi Regina,
    das freut mich, dass du dich dafuer entschieden hast, einen Partner fuer deinen weiblichen Geist zu finden.
    Das mit dem kompletten Lebenszyklus beziehe ich jetzt nicht unbedingt auf domestizierte Haustiere wie Hund, Katze etc., da deren Lebensweise absolut an den Menschen angepasst ist und keine Natuerlichkeit mehr hat. Ihr Verhalten entspricht den menschlichen Beduerfnissen (incl. Fortpflanzung). Bei Terrarientieren (teilweise auch Aquarientieren) versuchen wir aber die Natur ins Wohnzimmer zu uebertragen und Tiere in ihrer natuerlichen Umgebung zu beobachten. Das ist der Unterschied, der es meiner Meinung nach rechtfertigt, den Tieren die Paarung zu ermoeglichen (abgesehen von der geringen Prozentzahl an Tieren, die sich auch in freier Natur nicht paaren).
    Viel Erfolg bei der Suche
    Cheers
    Stefan :)